Allergien bei Tieren – wenn der eigene Körper zum Gegner wird
- Felicitas de Oliveira Santos
- 18. Feb.
- 4 Min. Lesezeit
Vielleicht kennst du das: Deine Katze kratzt sich ständig, dein Hund leckt sich wund, die Ohren sind immer wieder entzündet oder der Kot ist dauerhaft weich. Viele Tierhalter kommen genau mit diesen Sorgen in meine Praxis – und immer öfter steht am Ende die Diagnose: Allergie.
Allergien bei Tieren nehmen seit Jahren deutlich zu. Doch warum ist das so? Und was kannst du tun, wenn dein Tier betroffen ist?
Als Tierheilpraktikerin sehe ich es als meine Aufgabe, nicht nur Symptome zu lindern, sondern den Ursachen auf den Grund zu gehen.

Warum werden Allergien immer häufiger?
Unsere Tiere leben eng mit uns zusammen. Sie sind Familienmitglieder – und gleichzeitig oft den gleichen Belastungen ausgesetzt wie wir:
Umweltgifte
Zusatzstoffe im Futter, wie z.B. Konservierungs- und Geschmacksstoffe
nicht artgerechte Fütterung
Medikamentengaben (z. B. Schmerzmittel, Kortison)
häufige Impfungen und Entwurmungen
Stress
Ein ganz zentraler Punkt ist dabei der Darm.
Der Darm – Schlüsselorgan für ein stabiles Immunsystem
Ein großer Teil des Immunsystems sitzt im Darm. Gerät die Darmflora aus dem Gleichgewicht, kann sich die Darmschleimhaut entzünden. Durch eine chronische Darmentzündung – beispielsweise infolge häufiger Medikamentengaben oder minderwertiger Fütterung – wird der Darm durchlässig („Leaky Gut“).
Die Schleimhautbarriere funktioniert nicht mehr, wie sie sollte und Stoffe, die eigentlich im Darm bleiben sollten, gelangen ins Blut. Das Immunsystem reagiert. Eine Allergie entsteht.
Auch wenn sich die sogenannte orale Toleranz im Welpenalter nicht richtig ausbildet, können Futtermittelallergien entstehen. Das Immunsystem stuft dann eigentlich harmlose Futterbestandteile – meist bestimmte Eiweiße – fälschlicherweise als Bedrohung ein und reagiert mit einer überschießenden Abwehrreaktion. Häufige Futterwechsel im Welpenalter können beispielsweise diesen sensiblen Lernprozess des Immunsystems stören.
Der junge Organismus ist noch dabei, eine stabile Darmflora und eine zuverlässige Immunregulation aufzubauen. Werden ständig neue Proteinquellen und Zusammensetzungen eingeführt, kann das den Darm überfordern, zu Verdauungsstörungen führen und unter Umständen die Ausbildung einer stabilen oralen Toleranz erschweren.
Welche Allergien treten bei Tieren auf?
In meiner Praxis begegnen mir neben Pollen-, Gräser- und Futtermilbenallergien vor allem Futtermittelallergien. Neben Allergien auf Zusatzstoffe, Konservierungsmittel oder künstliche Geschmacksverstärker handelt es sich bei Futtermittelallergien jedoch sehr häufig um Allergien gegen bestimmte Proteine – also Eiweißquellen wie Rind, Huhn oder Fisch.
Das Schwierige daran ist: Egal wie oft das Futter gewechselt wird, entwickelt sich auf die neue Fleischsorte nicht selten die nächste Allergie. Irgendwann landet man dann bei exotischen Proteinquellen wie Känguru – in der Hoffnung, endlich etwas zu finden, das vertragen wird.
Doch ein neues Futter – selbst wenn es hochwertig ist – macht den Darm nicht plötzlich gesund oder weniger durchlässig. Gerade bei schweren oder bereits chronischen Darmentzündungen reicht eine reine Futterumstellung meist nicht aus. Hier braucht es eine ganzheitliche Lösung – mehr dazu weiter unten.
Typische Symptome – mehr als nur Juckreiz
Allergien zeigen sich nicht nur durch Kratzen. Die Symptome können vielfältig sein:
Starker Juckreiz
Kratzen und Lecken → offene Läsionen
Hautrötungen
Wiederkehrende Ohrenentzündungen
Stumpfes, struppiges Fell
Haarausfall
Hot Spots
Durchfall oder chronisch weicher Kot
Augen- und Nasenausfluss (Bindehautentzündung)
Asthma oder chronischer Schnupfen
Viele Tiere entwickeln mit der Zeit ein chronisches Hautbild – das Fell verliert seinen Glanz, die Haut wirkt gereizt und entzündet. Oft entsteht durch das Kratzen ein stark verändertes, vernarbtes Hautbild. Für die Tiere bedeutet das nicht nur körperliche Beschwerden, sondern auch erheblichen Stress.
Histaminose
Ein spannender Aspekt bei allergischen Tieren ist die sogenannte Histaminose. Dabei ist der Körper nicht in der Lage, Histamin ausreichend abzubauen.
Histaminreiche oder histaminfreisetzende Lebensmittel können die Symptome massiv verschlimmern.
Zu meiden sind beispielsweise:
Histaminfreisetzend: Fisch, Schwein, Ei
Histaminhaltig: Thunfisch, Käse, Schalentiere, Rindfleisch
In der naturheilkundlichen Begleitung setze ich – individuell abgestimmt – unter anderem folgende natürliche Antihistaminika ein:
Zeolith oder Huminsäuren
Vitamin C
Vitamin B6
Magnesium
Kupfer
Probiotika (ohne Enterococcus faecium, da stark histaminbildend)
Hier ist eine fachkundige Begleitung besonders wichtig, da jedes Tier unterschiedlich reagiert.
Schulmedizinische Behandlung – oft eine Sackgasse?
In der klassischen Tiermedizin wird häufig mit Kortison behandelt. Kortison wirkt schnell und unterdrückt die Entzündungsreaktion – das Tier scheint „geheilt“.
Doch das Problem bleibt bestehen.
Bei längerer Gabe kann Kortison massive Nebenwirkungen verursachen. Nicht selten endet die Behandlung in einer Dauermedikation – und das Tier wird chronisch krank.
Mir ist wichtig zu betonen: In akuten Situationen kann Kortison sinnvoll sein. Aber es sollte nicht die alleinige, langfristige Lösung sein.
Ganzheitliche Behandlung – die Ursache steht im Mittelpunkt
Eine nachhaltige Therapie bedeutet:
1. Ursache finden und ausschalten
Bei einer Futtermittelallergie erfolgt die Therapie beispielsweise über eine konsequent durchgeführte Eliminationsdiät mit anschließender gezielter und langfristig durchdachter Futterumstellung.
Gibt es noch weitere mögliche Ursachen-Quellen wie beispielsweise Stress oder Medikamente? Wird das Tier jährlich geimpft? Eine ausführliche Anamnese ist zwingend erforderlich. Nur wenn wir das gesamte Leben des Tieres betrachten – Fütterung, Vorerkrankungen, Medikamentengeschichte, Haltungsbedingungen und Stressfaktoren – können wir die wahren Auslöser erkennen und nachhaltig behandeln.
2. Entgiftung und Darmsanierung
Aufbau einer gesunden Darmflora
Unterstützung der Darmschleimhaut
Regulierung des Immunsystems
mehr Informationen findest du in meinem Blogartikel zum Thema Darmsanierung
3. Gezielte Nährstoffversorgung, u.a.
Omega-3-Fettsäuren (z. B. Krillöl)
Vitamin D
Ziegenkolostrum
Zink zur Unterstützung der Hautregeneration
Je früher wir eingreifen, desto besser sind die Chancen. Denn: Je länger das Immunsystem aus dem Gleichgewicht geraten ist, desto langwieriger wird die Therapie. In sehr schweren, lange bestehenden Fällen ist eine vollständige Heilung leider nicht immer möglich – aber eine deutliche Verbesserung der Lebensqualität fast immer.
Mein Herzensanliegen
Ich weiß, wie belastend es ist, sein Tier leiden zu sehen. Das ständige Kratzen, die schlaflosen Nächte, die Sorge, nichts „richtig“ zu machen. Allergien sind kein Schicksal, das man einfach hinnehmen muss.
Mit Geduld, einem klaren Therapiekonzept und einer individuellen Begleitung lässt sich oft sehr viel erreichen. Mein Ziel ist es, das Immunsystem deines Tieres wieder in Balance zu bringen – sanft, nachhaltig und mit Blick auf das große Ganze.
Wenn du das Gefühl hast, dass dein Tier an einer Allergie leiden könnte oder bereits eine Diagnose erhalten hat und du nach einem ganzheitlichen Weg suchst, begleite ich dich und dein Tier gerne auf diesem Weg. ❤️
Denn Gesundheit beginnt nicht mit der Unterdrückung von Symptomen – sondern mit dem Verständnis für die Ursachen.



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